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Twitter-Interview – Klappe, die Erste

Wenn ein SPD-Spitzenkandidat (alias tsghessen) und ein „A-Blogger“ (hab ich schon mal erwähnt, dass ich diesen Begriff nicht ausstehen kann?) 35 Minuten bei twitter aufeinander treffen, ist das, was dabei rauskommt:

Aktuell, volksnah, etwas lätschig und mit Sicherheit gut zu „instrumentalisieren“. (Wenn das Interview beispielsweise als PR-Maßnahme während des hessischen Wahlkampfs genutzt wird …). “Zunächst einmal gab es einen ziemlichen Trubel um das Interview. Gut sowohl für TSG in seinem Wahlkampf, als auch für Robert Basic in seinem Blogverkaufskampf,” stellt auch SheephunteR auf netzfeuilleton.de fest. „So lange sich jemand dann so präsentiert, […] kann es durchaus Teil einer funktionierenden Strategie sein,“ wird auf zweipunktnull gemutmaßt.

Vom Interview selbst darf man auf dem Micro-Blogging-Dienst Twitter.com wohl keinen Tiefgang erwarten. – Oder wie es – ebenfalls auf zweipunktnull ausgedrückt wird: „Mit Sicherheit ist Robert mit seiner Interview-Technik, die sich eher im rudimentären Bereich bewegt, nicht akut pulitzerpreis-gefährdet“ […] „Nicht so toll war die Auswahl bzw. Formulierung der Fragen. Da hat man vielleicht Chancen auf ein interessanteres Interview vergeben.“

Das Bonbon für’s Publikum lag eindeutig in der Aktualität und im Anschein von großer Nähe zum Interviewten. Hätte Thorsten Schäfer-Gümbel [TSG] im Nachhinein auch noch auf die Reaktionen anderer Twitteraner reagiert, hätte er mit Sicherheit gepunktet.


Aber auch ohne das hat die Live-Unterhaltung gereicht, um manch neuen Fan zu gewinnen. Im Netzfeuilleton heißt es beispielsweise: „Man muss TSG ein Kompliment für seine Antworten machen, offen und ehrlich, wirkte er.“ Und weiter: „Und ich glaube genau darin liegt die Stärke der Twinterviews, dass sie extreme Volksnähe transportieren.

Twinterviews – Welch ein Bahnbrecher der Neologismen - Das Wort Twittersphäre lese ich heute auch zum ersten Mal. Ich Mensch von gestern, ich.

Trotzdem. Als leidenschaftlicher Fan der Textform Interview kann ich mich nicht zu 100 % für das Gestrige begeistern. Das, was für mich den Charme eines guten Interviews ausmacht, ist ein Wechselspiel – zwischen kurzen prägnanten Fragen und Antworten und den paar wenigen Tiefsee-Tauchern, die wirklich was über die befragte Person aussagen. Ich denke aber, so eine Interview-Form lässt sich auf twitter nicht realisieren. Schon gar nicht, wenn von einem Mobiltelefon aus – während eines Zwischenstopps bei McDonalds – geantwortet wird. Ich für meinen Teil bevorzuge die immer mehrseitigen „Frage-Antwort Spiele“ aus dem selbsternannten Interviewmagazins Galore.

Aber wieder zurück … Aktuell und volksnah. Aber eben auch ein bisschen latschig. So hat Basic etwa vier Minuten auf die ersten beiden Antworten warten müssen. Hat in diesem Fall kaum jemanden gestört, „das lag aber glaube ich vor allem an dem Premiereneffekt. Sonst hat man wohl nicht die Geduld beständig vor dem Bildschirm zu sitzen und den Antworten zu harren.“ wie es wieder im netzfeuilleton heißt, allerdings an anderer Stelle.

Während die Website Schäfer-Gümbels - was Flexibilität und Aussehen angeht -eher an eine 70-jährige Riesenlandschildkröte erinnert, ist er eben auf dem Zwitscher-Weg ins Web 2.0 eingetaucht. Und hat dort aktuell 1181 „Followers“, was zwar nur knapp die Hälfte der Basic-Follower (2442) ist, aber dennoch für ein reges Interesse der (hessischen) Wähler und Nicht-Wähler spricht. Man kann also sagen „Schäfer-Gümbel hat Sinn und Zweck von Twitter verstanden - was für prominente Twitter-Nutzer sicher alles andere als selbstverständlich ist“. Fragen kann man sich natürlich, ob man das verstehen muss, als hessicher Landespolitiker. Immerhin weiß TSG den Dialog zu nutzen, um auch seine persönliche Neugierde zu stillen:

Basics – wie ich finde etwas amüsante Antwort dazu:

Es wird also einen PrivatBlogger geben. Soso. Und was genau, lieber Rob, ist ein PrivatBlogger? Ein Blogger, der über Privates bloggt oder ein Blogger, der nur an Sonn- und Feiertagen bloggt? Vielleicht auch ein Blogger, der nur für ein privates Umfeld bloggt? Ich bitte um Aufklärung :>

Aber noch mal zurück zum Thema. Was habe ich festgehalten? Aktuell, volksnah, in diesem Fall etwas lätschig und mit Sicherheit gut zu instrumentalisieren. Aber ich würde nicht so weit gehen, das ganze als ein gelungenes politisches Interview zu bezeichnen, wie es wieder im netzfeuilleton getan wurde. ( “… ein politisches Interview. Man darf also gespannt sein, wie ein Politiker …”).

Und was ich mir jetzt am Ende dann doch nicht verkneifen kann:

Wer Lust hat, das Schäfer-Gümbelchen auf meinVZ zu gruscheln oder bei wer-kennt-wen und facebook zu adden, der kann das zukünftig auch tun!

Das ganze Interview kann übrigens auf twitter.com entweder über die Profile der Gesprächspartner (das verstehe ich ja noch ;) ) - oder aber mit dem Hashtag #tsg in der Twitter-Suche eingesehen werden. – Aha!

Jetzt oute ich mich mal. Ich hab (fast) noch nie einen Blick auf diese Plattform geworfen: Kann mir mal ein Twitteraner erklären, was das zu bedeuten hat? - Immerhin hat TSG sogar einen Rüffel dafür bekommen, „das hastag #tsg nicht zu verschludern, durch das dann einige Antworten verlorenn gingen.“ …

Bahnhof?!?

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7 Reaktionen zu “Twitter-Interview – Klappe, die Erste”

  1. SheephunteR

    Vielen Dank für die lobenden Erwähnung und des Transports meiner Wortschöpfung “Twinterview”.

  2. Robert

    in der Ruhe liegt die Kraft;) “. Als leidenschaftlicher Fan der Textform Interview kann ich mich nicht zu 100 % für das Gestrige begeistern. Das, was für mich den Charme eines guten Interviews ausmacht, ist ein Wechselspiel – zwischen kurzen prägnanten Fragen und Antworten und den paar wenigen Tiefsee-Tauchern, die wirklich was über die befragte Person aussagen. Ich denke aber, so eine Interview-Form lässt sich auf twitter nicht realisieren.”

    Exakt das kannst Du wunderbar in Twitter ebenso tun, wenn man nur etwas mehr Zeit bekommt, ein dialogisches Interview aufzubauen. Ich habe lediglich vorbereitete Fragen reingehauen, keine Zeit aber gehabt, um auf seine Antworten einzugehen. Davon zu abstrahieren sollte nicht schwer fallen, was wie wann unter welchen Umständen machbar ist.

  3. Theomix

    Das habe ich jetzt mit Interesse gelesen. Tiwtter ist nicht das, was ich brauche. Aber das habe ich vor einem halben Jahr auch über Blogs gesagt. aber beim Blog geht es ja noch gemächlich zu. Die Vorzüge eines Interviews - hast du gut und knackig definiert. Twitter finde ich etwas hektisch. Bin vorübergehend noch Endvierziger, vielleicht darf ich mich da schon seniorenhaft geben ;-)
    Grüße
    Jörg

  4. lisa

    @ SheephunteR : Aber gerne doch! :>

    @ Robert: “Exakt das kannst Du wunderbar in Twitter ebenso tun” - Da bin ich ganz eindeutig anderer Meinung. Zu einem richtig gut(en) / aufbereiteten / Interview gehört in jedem Fall das anschließende Redigieren, umstellen, in eine ansprechende, lesbare Textform bringen (Was mir persönlich auch übrigens immer sehr viel Spaß macht). - Und das ist in Twitter eben nicht möglich.

    @ Theomix: ach quatsch seniorenhaft! meine omi ist 86 (bald 87) und surft im internet :>

  5. Theomix

    Nicht wegen surfen. Wegen twittern… Ist mir zu hektisch. Oder twittert die omi?

  6. Curlysa

    :D nein, noch nicht. sollte ich ihr aber vielleicht mal vorschlagen. und anschließend versteigere ich sie auf ebay ;) (”nur für selbstabholer: erste twitternde omi”) - nein. würd ich natürlich nie tun …

  7. Theomix

    Hätte ich dir auch nicht zugetraut. So omis können ganz toll und lieb sein. Du würdest nur Zickis ab 1 euro weggeben ;-)


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